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Alle Jahre wieder...

08.06.2018

Dieser Tage vergeht kaum eine Sprechstunde, in der nicht mindestens eine handvoll Jungvögel den Weg in unsere Tierklinik finden. Zumeist in kleinen Pappschachteln und vermeintlich von den Eltern verlassen, bringen uns besorgte Vogel- und Gartenfreunde allerlei Sperlinge, Meisen, Drosseln, Stare und Tauben, aber auch junge Enten, Greife, Eulen, Rabenvögel oder andere gefiederte Freunde.

Einige (wenige) dieser Tiere benötigen tatsächlich unsere Hilfe, weil sie beispielsweise bei ihren ersten Flugversuchen verletzt wurden, gegen eine Windschutzscheibe geprallt sind oder eine unschöne Begegnung mit einer Katze hatten.

Geschätzte 95% aller Jungvögel, die zu uns gebracht werden, sind allerdings gesund und benötigen die Hilfe des Menschen nicht. Im Gegenteil. Viele Finder meinen es gut und sammeln die jungen, noch nicht flugfähigen Vögel ein, um sie in vermeintlich sicherer Menschenhand aufzuziehen. Dies kann bei einigen wenigen Vogelarten und sehr jungen (noch nackten) Jungvögeln tatsächlich notwendig sein, in den meisten Fällen ist es dies jedoch nicht.

Bei allen Singvögeln (zu denen die meisten unserer heimischen Garten- und Parkvögel gehören; Auflistung siehe unten) unterscheidet man während der Jungenaufzucht eine Nestlingsphase von einer Ästlingsphase. Nach dem Schlupf verbleiben die noch nackten Küken im Nest und werden von den Eltern gefüttert und gewärmt ("gehudert").

Schützt das stetig wachsende Federkleid den jungen Vogel genügend vor der Witterung und wird es den Geschwistern im Nest zu eng, beginnt die Ästlingsphase. In dieser Zeit halten sich die Tiere in der Umgebung des Nestes im Geäst, zum Teil aber auch auf dem Erdboden auf und werden von den Eltern weiterhin permanent und bis zur Erlangung der völligen Flugfähigkeit mit Nahrung versorgt.

Bitte nehmen Sie keinen befiederten Singvogel mit, der nicht offensichtlich verletzt ist oder menschliche Hilfe benötigt!

zu den Singvögeln gehören:

- Sperlinge: Haus- und Feldsperling

- Meisen: v.a. Blau- und Kohlmeise

- Finkenvögel: Buchfink, Grünfink, Dompfaff, Kernbeißer usw.

- Spechte

- Drosseln: v.a. Amseln und Singdrosseln

- Schwalben: v.a. Rauch- und Mehlschwalbe

- Grasmücken: Mönchs-, Garten-, Klapper- und Dorngrasmücke

- Laubsänger: v.a. Zilpzalp, Fitis, Waldlaubsänger

- Schnäpper: v.a. Rotkehlchen und Grauschnäpper

- Rabenvögel: Elster, Dohle, Eichelhäher, Rabenkrähe, Saatkrähe und Kolkrabe

- Stelzen und Pieper: v.a. Bachstelze, Wiesenpieper, Haus- und Gartenrotschwanz

- Zaunkönig

Auch unter den Nicht-Singvögeln gibt es viele Arten, bei denen eine ähnliche Versorgung durch die Eltern abseits des Nestes erfolgt. Dazu gehören die häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen vorkommenden Jungvögel von Silber- und Lachmöwe, Turmfalke, Habicht, Stadt-, Türken- und Ringeltaube und Eulenvögel.

Bevor Sie also einen Jungvogel in Ihre Obhut nehmen, vergewissern Sie sich bitte immer, ob dieser tatsächlich nicht mehr von den Eltern versorgt wird. Dazu kann eine Beobachtungszeit (aus sicherer Entfernung) von bis zu 4 Stunden nötig sein. Bitte nehmen Sie sich diese Zeit jedoch im Sinne des Artenschutzes und des Wohl des Einzeltieres.

Allerdings gibt es von dieser Regel auch Ausnahmen: Mauersegler werden beispielsweise niemals außerhalb des Nestes versorgt (egal in welchem Altersstadium) und benötigen deshalb immer unsere Hilfe.

Gerne kümmern wir uns selbstverständlich jederzeit um verletzte Tiere und helfen auch bei der Vermittlung von aufzuziehenden Nestlingen und Ästlingen aller Arten in fachkundige Hände.

Für Informationen zur Artbestimmung von Jungvögeln, zu den richtigen Fütterungstechniken, der Futterbeschaffung und alles andere rund um die Aufzucht von Wildvögeln in Menschenhand bietet die sehr kompetente Homepage der wildvogelhilfe.org